Pflege Bahr

Bei der Pflege-Bahr handelt es sich um eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, die die Pflegepflichtversicherung ergänzen soll. Durch die staatliche Förderung in Form von Zulagen werden akzeptable Leistungen mit einem überschaubaren Eigenbeitrag garantiert. Deshalb möchte man mit der Pflege-Bahr vor allem Versicherte ansprechen, die nur einen recht geringen Eigenanteil für die Ergänzung ihrer Pflegepflichtversicherung aufbringen können. Die Pflege-Bahr wird im Idealfall durch eine ungeförderte private Pflegeversicherung ergänzt, um einen umfassenden Schutz im Pflegefall sicherzustellen.

Das neueste Produkt der Pflegeversicherung

Die Pflege-Bahr wurde erst im Zuge der Pflegereform mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) eingeführt. Sie ist durch Zulagen staatlich gefördert und möchte den Versicherten damit einen Anreiz geben, sich gegen Pflegebedürftigekeit auch privat abzusichern. Damit versteht sich die Pflege-Bahr als Ergänzung der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung. Benannt ist sie nach dem damaligen Bundesgesundheitsminister Bahr, er hat das Produkt in Anlehnung an die ebenfalls zulagengeförderte Riester-Rente maßgeblich mitbestimmt.


Staatlicher Zuschuss bei geringem Eigenanteil

Die Pflege-Bahr sieht vor, dass die Zulage schon bei einem Selbstbehalt von zehn Euro im Monat gezahlt wird. Sie beträgt dann fünf Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr. Durch den geringen Eigenanteil soll es vorrangig für Menschen mit einem niedrigen Einkommen möglich sein, eine akzeptable Zusatzversorgung für den Pflegefall aufzubauen. Die Verbraucher müssen für die Gewährung der Förderung keine speziellen Voraussetzungen erfüllen. Auch sogenannte Besserverdiener können eine Pflege-Bahr abschließen, doch für sie dürfte eine Zusatzversicherung ohne Förderung interessanter sein. Bei diesen Versicherungen lassen sich die Leistungen individuell und nach Wunsch festlegen.

Diese Leistungen erbringt die Pflege-Bahr

Bei der staatlich geförderten Pflegeversicherung handelt es sich um eine reine Pflegetagegeldversicherung. Es wird also lediglich ein Tagegeld pro Pflegetag gezahlt, die Leistung kann frei verwendet werden. Der Versicherte kann damit einen pflegenden Angehörigen entlohnen, er kann einen ambulanten Pflegedienst zahlen oder einen Teil der Kosten für eine stationäre Unterbringung ausgleichen. Die Leistungen der Pflege-Bahr sind vom Gesetzgeber gedeckelt. Sie dürfen maximal doppelt so hoch sein wie die Zahlungen aus der Pflegepflichtversicherung. Adererseits wurden aber auch bestimmte Mindestanforderungen festgelegt, die die Versicherung erfüllen muss, um als förderfähig zu gelten.

Die wichtigsten Mindestanforderungen an die Pflege-Bahr:

  • Es gilt Kontrahierungszwang.
    d.h. die Versicherungen müssen jedem Antragsteller, egal ob privat oder gesetzlich pflegeversichert, einen Versicherungsvertrag anbieten (wenn er noch keine Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bezogen hat
  • Es sind weder eine Gesundheitsprüfung, noch Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse erlaubt.
  • Der Versicherte kann frei über das Pflegegeld verfügen.
  • Zur Feststellung des Leistungsfalls ist die Aussage der zuständigen Pflegekasse bindend.
  • Wartezeit von maximal 5 Jahren
  • 10 € ist der monatliche Mindestbetrag, den der Versicherte selbst leisten muss

Diese Auflistung ist lediglich ein Auszug, der Anforderungen, die vom Gesetzgeber festgelegt wurden und die erfüllt sein müssen, damit Tarife förderfähig sind.
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Die Zahlungen sind nach Pfegegrad gestaffelt

Die Mindestleistungen der Pflege-Bahr sind nach Stufen festgelegt. Das heißt je nach Pflegegrad müssen bestimmte Anteile, des vertraglich vereinbarten Pflegetagegeldes ausgezahlt werden.

  • Pflegegrad 1: mindestens 10 Prozent
  • Pflegegrad 2: mindestens 20 Prozent
  • Pflegegrad 3: mindestens 30 Prozent
  • Pflegegrad 4: mindestens 30 Prozent
  • Pflegegrad 5: 100 Prozent (mindestens 600 €)

Der Versicherer hat die Möglichkeit, diese Sätze zu erhöhen. Allerdings muss er dabei beachten, dass er mit der Erhöhung trotzdem nicht die maximale Leistung überschreitet, die der Gesetzgeber ebenfalls reglementiert hat. Das Pflegetagegeld darf in keiner Stufe höher sein, als die von der sozialen Pflegeversicherung gewährten Leistungen.

Sinnvoll, aber nicht optimal

Kritiker wenden gegen die Pflege-Bahr ein, dass sie zwar eine sinnvolle Ergänzung der Pflegepflichtversicherung ist, dass sie aber nicht ausreicht, um die Kosten im Pflegefall vollständig abzudecken. Aus diesem Grund kann die Förderpflege allenfalls eine zusätzliche Absicherung für den Fall einer Pflegebedürftigekeit sein. Im Idealfall sollte man mit einer ungeförderten privaten Zusatzversicherung für einen vollumfänglichen Schutz vorsorgen. Zwar ist die Förderpflege sinnvoll bei einem geringen Einkommen, um mit Hilfe einer Zulage vom Staat und eines überschaubaren Eigenanteils überhaupt eine vernünftige Zusatzvorsorge aufzubauen. Dennoch reicht auch die Kombination aus Pflegepflichtversicherung und Förderpflege nicht aus, um die Kosten wirklich umfassend abzudecken, wenn man Pflege benötigt.