Betreuungskräfte aus Osteuropa

Wer an seinen Lebensabend denkt und wie er ihn verbringen möchte, sieht sich selbst normalerweise wohl zuhause in den eigenen vier Wänden das Alter genießen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um eine Wohnung oder ein Haus handelt. Auch pflegebedürftige Menschen wünschen sich, in vertrauter Umgebung zu bleiben. Doch wie ist das finanziell zu stemmen? Der aktuelle Trend weist auf Pflegekräfte aus Osteuropa. Es sei eine legale und boomende Branche, sagt Warentesterin Isabella Eigner.

24-Stunden-Pflege zuhause – Ist das finanziell möglich?

Soll eine Rundum-Versorgung finanziert werden, ist dies mit deutschem Personal kaum realisierbar. Pflegekräfte aus Osteuropa können die Lösung sein. Der größte Teil der Helfer kommt über so genannte Vermittlungsagenturen, die meist mit osteuropäischen Firmen kooperieren. Diese beschäftigen die Betreuungskräfte und tragen auch die Personalverantwortung. Die in Deutschland ansässigen Vermittlungsagenturen betreuen die deutschen Kunden. Sie organisieren alles rund um die Vermittlung und kümmern sich um die Kunden auch darüber hinaus, beispielsweise wenn es Probleme mit der Pflegekraft gibt.

Kosten einer osteuropäischen Pflegekraft

Die Kosten für eine so genannte 24-Stunden-Pflege bewegen sich zwischen 1.400 und 3.400 Euro monatlich. Auch das ist für Normalverdiener neben den laufenden Kosten kaum zu stemmen, wenn sie keine hohen Ersparnissen haben. Wurde die Pflegebedürftigkeit offiziell festgestellt und bestätigt, kann ein Teil der Kosten über das gesetzliche Pflegegeld abgedeckt werden. Doch auch dann bleibt noch immer eine große Versorgungslücke. Diese kann mit einer privaten Pflegeversicherung geschlossen werden.

Versorgungslücke schließen: Pflegetagegeld

Mit einer Pflegetagegeldversicherung kann man für den Pflegefall vorsorgen. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto geringer die monatlichen Beiträge. Über das Pflegetagegeld kann der Versicherte frei verfügen. Auch eine Pflegekraft, kann so mit diesem Geld bezahlt werden.

Frühzeitig vorsorgen

Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, steigt mit dem Alter exponentiell an. Aber auch junge Menschen können durch einen Unfall oder eine Erkrankung pflegebedürftig werden. Das heißt, es gilt, möglichst frühzeitig vorzusorgen, damit man sich im Fall der Fälle eine Pflegekraft leisten kann, die Pflege und Haushalt übernimmt.

2017 Stiftung Warentest prüft Vermittlungsagenturen

Das zunehmende Interesse spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass sich die Stiftung Warentest bereits zum zweiten Mal mit dem Thema auseinandersetzt. In der Mai-Ausgabe der Zeitschrift (Ausgabe 5/2017) widmen sich die Tester ausführlich dem Thema und prüften 13 Vermittlungsagenturen anhand folgender Kriterien:

  • Vermittlung
  • Leistung rund um die Vermittlung
  • Kundeninformation
  • Vertragsmängel

Stiftung Warentest ermittelte die Daten über Fragebögen und Auswertung anderer eingereichter Dokumente. Außerdem sichteten die Tester Verträge, Infomaterialien und die Internetauftritte der Anbieter sowie jeweils drei Kundenakten.

Die Tester stellten sich dabei folgende Fragen: „Vermitteln die Agenturen Betreuungs­kräfte, die zum Bedarf der Hilfe­suchenden passen? Gehen sie recht­lich korrekt und sozial verantwort­lich vor?

Das Ergebnis

Neun der dreizehn Vermittlungsagenturen sind hilf­reich bei der Vermitt­lung. Für die restlichen gilt dies nur bedingt bis wenig. Vertragsmängel liegen bei allen Anbietern vor. Diese Mängel gehen vor allem zu Lasten der Beschäftigten aus Osteuropa. Besonders die Rechte hinsichtlich Arbeits- und Ruhe­zeiten werden untergraben. Auch die Güte der Informationen, die die Agenturen vermitteln, ist in den Bereichen Recht und Finanzen dürftig.

Tipps von Stiftung Warentest

Aufgrund des durchwachsenen Ergebnisses gibt das Verbraucherinstitut einige Tipps, die zu beherzigen sind. Kunden in Deutschland sollten sich in jedem Fall den Versicherungsnachweis von der jeweiligen Betreuungskraft zeigen lassen. Dieser Nachweis nennt sich A-1-Bescheinigung und ist der Beleg dafür, dass die Pflegerin sozialversichert ist. Auch sollte vertraglich festgehalten sein, dass der Vertrag ruht, wenn der Pflegebedürftige ins Krankenhaus muss (Quelle).

Angemessene Arbeitsbedingungen schaffen

Abgesehen von diesen vertragsrechtlichen Angelegenheiten, haben die Pflegebedürftigen und deren Angehörige selbst großen Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen der Pflegekraft. So sollte man sich stets vor Augen halten, dass die Pflegekräfte, oft für lange Zeit von zuhause fort sind und ihre Familien lange nicht sehen. Auch sollte der Pflegekraft, die Möglichkeit geboten werden, mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben. Außerdem gibt es vielfältige Möglichkeiten, sie zu entlasten. So sollte ihr in jedem Fall ein freier Tag in der Woche ermöglicht werden. An diesem Tag können Angehörige die Pflege übernehmen oder man nutzt professionelle Angebote wie soziale Dienste, Verhinderungs- und Tages­pflege. Viele dieser Möglichkeiten werden von den Pflegekassen ganz oder teilweise finanziert.