Pflegeversicherung für Kinderlose

Die Pflegeversicherung ist in Deutschland eine Pflichtversicherung. Deshalb müssen kinderlose Versicherte ebenso einen Beitrag zahlen wie Versicherte mit Kindern. Allerdings gilt für Kinderlose ein höherer Beitragssatz. Der Gesetzgeber begründet diese „Benachteiligung“ der Menschen, die keine Kinder haben damit, dass Personen mit Kindern neben dem Geld, dass sie selbst in die gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen, durch ihren Nachwuchs einen zusätzlichen Beitrag leisten, damit das umlagefinanzierte Sozialversicherungssystems weiter bestehen kann. 

Anhebung des Beitragssatzes zum 1. Januar 2017

Zum 1. Januar 2017 tritt das Dritte Pflegestärkungsgesetz in Kraft und beschert vielen Pflegebedürftigen mehr Geld und mehr Leistungen (weitere Infos auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit und im SGB). Das Erste Pflegestärkungsgesetz galt seit dem 1. Januar 2015 . Im Zuge des 3. Pflegestärkungsgesetzes wird der Beitragssatz für die Pflegeversicherung von bisher 2,35 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Entgelts auf 2,55 Prozent angehoben. Dieser Beitragssatz gilt für Versicherte, die mindestens ein Kind haben. Versicherte ohne Kinder zahlen einen Zusatzbeitrag von 0,25 Prozent, sofern sie das 23. Lebensjahr vollendet haben und kein Arbeitslosengeld II beziehen. Somit beträgt der Pflegeversicherungsbeitragssatz für kinderlose Versicherte 2,8 Prozent (Pflegeversicherung – Kosten und Beitragssatz).


Kinderlose zahlen den Zuschlag allein

Versicherte, die in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, erhalten einen Zuschuss ihres Arbeitgebers zur Pflegeversicherung. Der Beitrag von 2,55 Prozent wird zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen (Ausnahme Sachsen). Anders verhält es sich mit dem, im Jahr 2005 eingeführten Zuschlag für Kinderlose. Dieser zusätzliche Beitrag in Höhe von 0,25 Prozent muss allein vom Versicherten getragen werden.

Es müssen keine leiblichen Kinder sein

Als Kinder im Sinne der Pflegeversicherung gelten die leiblichen Kinder. Dabei ist es unerheblich, ob diese noch leben oder aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit verstorben sind. Selbst wenn ein Versicherter sein Kind sehr früh verloren hat, gilt dennoch der normale Pflegeversicherungssatz von 2,55 Prozent. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass es sich nicht um leibliche Kinder handeln muss. Der Gesetzgeber stellt Adoptiv-, Stief- und Pflegekinder den leiblichen Kindern gleich.

Kinder haften für ihre Eltern

Wer Kinder hat, trägt dazu bei, dass das Solidarprinzip und die Umlagefinanzierung der Sozialversicherung funktionsfähig bleibt. Denn die Rentnergeneration wird von der heutigen Generation der Arbeitstätigen finanziert. Das bedeutet Menschen mit Nachwuchs sorgen dafür, dass auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Arbeitnehmer in die Sozialversicherung und damit auch in die gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen und somit die finanziellen Mittel vorhanden sind um Pflegebedürftige zu unterstützen. Deshalb werden die Eltern schon heute mit einem geringeren Satz in der Pflegeversicherung belohnt. Ein weiterer Hintergrund ist sicher auch der Gedanke, dass der Nachwuchs sich im Alter um ihre Eltern kümmern. Sollten diese zum Pflegefall werden, wird angenommen, dass mindestens ein Teil der Pflege vom Nachwuchs, egal ob es sich dabei um Adoptiv-, Pflege-, Stief- oder leibliche Kinder handelt, übernommen wird. Somit wäre der Pflegebedürftige nicht ausschließlich auf staatliche Einrichtungen und Pflegedienste angewiesen, der Staat würde entlastet. Letztlich sollen Kinder also für ihre Eltern haften (siehe auch Haftung für Angehörigen).

Ohne Nachwuchs steigt die Eigenverantwortung

Für Versicherte ohne Kinder bedeutet das, dass ihre Eigenverantwortung stärker gefragt ist. Sie müssen sich frühzeitig darauf vorbereiten, sich im Alter selbst zu versorgen oder sicherstellen, dass sie, falls sie Pflege benötigen, vorsorgen. Vor allem müssen sie sich um die Regelung der finanziellen Verhältnisse kümmern, um nicht allein auf staatliche Leistungen und Unterstützung angewiesen zu sein. Besonders Kinderlose sollten also rechtzeitig für eine umfassende private Pflegeversicherung sorgen, damit die Finanzierung der Leistungen bei Eintritt des Versicherungsfalls sichergestellt ist.

Eine Rechnung die nicht immer aufgeht

Allerdings entbindet die Elterneigenschaft nicht von der Tatsache, dass auch Menschen mit Kindern finanziell für den Fall, dass sie Pflege benötigen, vorsorgen sollten. Denn nur weil man Kinder hat, ist eine Unterstützung durch den Nachwuchs nicht sicher. Auch Menschen, die kinderlos sind (Der Gesetzgeber unterscheidet hier nicht nach den Gründen für die Kinderlosigkeit.), können Angehörige haben, die sich im Pflegefall um sie kümmern. Aber ganz egal, wie dieser Umstand dann geregelt wird, ob mit Hilfe durch Angehörige oder Freunde oder durch professionelles Pflegepersonal, eine finanzielle Absicherung für den Fall der Fälle ist immer sinnvoll und entlastet von solchen Sorgen.