Pflegeversicherung Kosten und Beitragssatz

Die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung werden von der Bundesregierung festgelegt. Sie richten sich nach dem sozialversicherungspflichtigen Entgelt des Arbeitnehmers und werden jeweils zur Hälfte auf den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer aufgeteilt (Ausnahme ist das Bundesland Sachsen). Selbstständige hingegen müssen die Beiträge zur Pflegeversicherung allein tragen. Da der ursprünglich veranschlagte Beitragssatz von 1% sehr schnell nicht mehr ausreichte, um die Kosten, die die Pflegebedürftigen verursachten, zu decken, wurde der Beitragssatz in den letzten Jahren immer wieder erhöht und liegt nun seit dem 1. Januar 2017 bei 2,55 %. Für Kinderlose wurde 2005 schließlich noch ein Beitragszuschlag von 0,25 Prozent eingeführt.

Steigende Beitragssätze in der Vergangenheit und Zukunft

Pflegeversicherung KostenDer Blick auf die Beiträge der letzten Jahre zeigt: Die Kosten für die Pflegepflichtversicherung sind kontinuierlich gestiegen. Eingeführt zum 1. Januar 1995 mit einem Beitragssatz von einem Prozent des sozialversicherungspflichtigen Entgelts, war schon im Juli 1996 der erste Anstieg auf 1,7 Prozent zu verzeichnen. Es folgten weitere Erhöhungen und Anpassungen der Beitragssätze für die Pflegeversicherung. So erfolgten in den Jahren 2008 eine Anhebung auf 1,95 Prozent und fünf Jahre später auf 2,05 Prozent vom Bruttoarbeitslohn. Zum Januar 2015 wurde der Beitragssatz von 2,35 Prozent festgelegt. Außerdem wird seit 2005 ein Zusatzbeitrag von 0,25 Prozent für Kinderlose erhoben.

Zum 1. Januar 2017 erfolgte, wie angekündigt, eine weitere Beitragssatzsteigerung um 0,2 Prozent, auf 2,55 Prozent. Die Mehreinnahmen von etwa 5 Milliarden Euro dienen der Finanzierung des Pflegestärkungsgesetzes und der damit verbundenen Leistungsverbesserungen. Außerdem wird dieses Jahr der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt.

Der Hintergrund der kontinuierlichen Anhebung der Beiträge liegt auf der Hand: Die zunehmende Überalterung der Bevölkerung in Deutschland sorgt für einen steigenden Bedarf an Pflegekräften und an Pflegeplätzen, da die Zahle der Leistungsbezieher in den letzten Jahren kontinuierlich steigt. Außerdem wurden und werden die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung im Laufe der letzten Jahre immer weiter ausgebaut. Zuletzt mit den Pflegestärkungsgesetzen I und II.

Zahl der Leistungsbezieher der sozialen Pflegeversicherung 2002 bis 2014

Jahr Leistungsbezieher
2002 1.888.969
2003 1.895.417
2004 1.925.703
2005 1.951.953
2006 1.969.392
2007 2.029.285
2008 2.113.485
2009 2.235.221
2010 2.287.799
2011 2.315.436
2012 2.396.654
2013 2.479.590
2014 2.568.936

Quelle: Pflegekassen

Der Beitragssatz für Angestellte

Ein Arbeitnehmer hat im Jahr 2017 insgesamt 2,55 Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Einkommens für die Pflegepflichtversicherung aufzuwenden. Beträgt der Lohn also 3.000 Euro im Monat, fließen davon 76,50 Euro in die Pflegeversicherung. Der Beitragssatz gilt unabhängig von der Höhe des Einkommens. Mitarbeiter mit einem niedrigen Gehalt haben ebenso 2,55 Prozent zu zahlen wie Angestellte in einer Führungsposition. Allerdings wird die Höhe der Beiträge durch die Beitragsbemessungsgrenze limitiert. Sie beträgt im Jahr 2017 in allen Bundesländern 4.350 Euro im Monat.

Somit zahlt ein Arbeitnehmer 2017 monatlich maximal 110,93 Euro für die soziale Pflegeversicherung. Der Anteil des Gehaltes, welches über diese Beitragsbemessungsgrenze hinaus geht, bleibt von Beitragszahlungen befreit. Dadurch profitieren Angestellte mit einem hohem Einkommen von der Beitragsbemessungsgrenze. Diese wird jährlich von der Bundesregierung neu bestimmt und orientiert sich an der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands.

Die Beteiligung des Arbeitgebers

Die Zahlung des Arbeitnehmers für seine Pflegeversicherung ist nicht allein von ihm zu leisten. Vielmehr wird der Beitragssatz von 2,55 Prozent zu gleichen Teilen auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt. Bei einem sozialversicherungspflichtigen Entgelt von 3.000 Euro im Monat und einem Beitrag in Höhe von 76,50 Euro betragen also sowohl der Arbeitgeberanteil, als auch der Arbeitnehmeranteil 38,25 Euro. Die Beitragszahlung wird im Rahmen der monatlichen Gehaltsabrechnung an die Träger der Pflegeversicherung abgeführt, der Angestellte hat damit nichts zu tun. Er erhält sein Nettogehalt ausgezahlt, welches um alle Sozialversicherungsbeiträge reduziert ist. Die abgeführten Sozialversicherungsbeiträge können allerdings auf der monatlichen Abrechnung eingesehen werden.

Selbständige erhalten keine Nachlässe

Für selbständige Gewerbetreibende und Freiberufler gelten mit 2,55 Prozent die gleichen Beitragssätze wie für Arbeitnehmer. Sie erhalten keine Zuschüsse, da sie ihr eigener Arbeitgeber sind. Das bedeutet, sie müssen die Beiträge zur Pflegeversicherung in vollem Umfang aus eigener Tasche zahlen. Beim Abschluss einer Krankenversicherung entscheiden sich viele Selbständige für den Wechsel in die private Krankenversicherung, weil dort die Möglichkeit besteht, die Beiträge mit der Wahl eines geeigneten Tarifs selbst zu beeinflussen. Damit lassen sich Beitragszahlungen in einem überschaubaren Rahmen halten. Diese Wahlfreiheit ist bei der Pflegeversicherung nicht gegeben, denn der Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung ist gesetzlich festgelegt und somit bei allen Anbietern gleich. Allerdings sollten sich auch Selbständige über eine private Vorsorge Gedanken machen (Pflegeversicherung für Selbständige).

Kinderlose zahlen mehr

Der aktuelle Beitragssatz von 2,55 Prozent gilt für alle sozialversicherungspflichtig angestellten Arbeitnehmer (Ausnahme Sachsen), ebenso für Rentner und freiwillig Versicherte, wie selbständig Tätige, die Nachwuchs haben. Kinderlose Mitglieder der Pflegeversicherung müssen seit dem 1. Januar 2015 einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozent zahlen. Es sei denn, sie wurden vor dem 1.1.1940 geboren, sind jünger als 23 Jahre oder beziehen Arbeitslosengeld II. Wer also keine leiblichen Kinder hat (Der Grund spielt für den Gesetzgeber dabei keine Rolle.), zahlt einen Beitragssatz von insgesamt 2,8 Prozent. Den Zuschlag von 0,25 Prozent hat der Versicherte allein zu tragen, eine Beteiligung des Arbeitgebers gibt es in diesem Fall nicht. Bei einem Gehalt von 3.000 Euro pro Monat zahlt ein kinderloser Versicherter also nicht nur 76,50 Euro für die Pflegeversicherung, sondern insgesamt 84 Euro. Mit dieser Regelung sollen Kinderlose stärker an den späteren Pflegekosten beteiligt werden, denn nach einem Urteil vom 3. April 2001 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist,

„dass Mitglieder der sozialen Pflegeversicherung, die Kinder betreuen und erziehen und damit neben dem Geldbeitrag einen generativen Beitrag zur Funktionsfähigkeit eines umlagefinanzierten Sozialversicherungssystems leisten, mit einem gleich hohen Pflegeversicherungsbeitrag wie Mitglieder ohne Kinder belastet werden.“

Das Urteil mit der ausführlichen Begründung kann auf der Seite des Bundesverfassungsgericht eingesehen werden.

Beitragssätze garantieren keine Kostendeckung

Ein Vergleich der Beitragssätze im deutschen Sozialversicherungssystem zeigt, dass die Pflegeversicherung sich deutlich von der Renten- und der Krankenversicherung abhebt, die mit 18,7 Prozent in der Rentenversicherung und mit 14,6 Prozent in der Krankenversicherung mit weitaus höheren Beiträgen zu Buche schlagen. Lediglich die Arbeitslosenversicherung bewegt sich mit einem Beitragssatz von 3,0 Prozent in einer Größenordnung, die annähernd der der Pflegeversicherung entspricht. Allerdings ist eine kostendeckende Versorgung der Pflegebedürftigen in der Pflegeversicherung angesichts der relativ geringen Beiträge nicht möglich. Versicherte müssen sich deshalb auch in Zukunft in eigener Initiative um die Schließung ihrer Versorgungslücke kümmern. Weitere Informationen und aktuelle Testergebnisse könne auf unserer Startseite Pflegeversicherung Vergleich eingesehen werden.Pflegeversicherung Kosten